Die Sicherstellung einer bedarfsgerechten pflegerischen Versorgung stellt in Zeiten des voranschreitenden demografischen Wandels und knapper Personalressourcen eine komplexe gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar. Damit sie bewältigt werden kann, bedarf es auch kleinräumiger Lösungsstrategien. Diese sollten die jeweiligen Versorgungssituationen vor Ort sowie die daraus resultierenden Bedarfe und Potenziale berücksichtigen und die handelnden Akteur*innen aktiv in die Entwicklung einbinden. Die Kommunen können hierbei in ihrer Verantwortung für die soziale Daseinsvorsorge eine wichtige Rolle übernehmen.

Wenngleich die Möglichkeiten einer verbindlichen Steuerung der pflegerischen Versorgungsstrukturen auf kommunaler Ebene rechtlich beschränkt sind, bestehen doch viele andere Gestaltungsmöglichkeiten für Kommunen: Beispielsweise können sie im Rahmen örtlicher Pflegekonferenzen (§ 4 NPflegeG) oder als Gesundheitsregion moderierende und vernetzende Funktionen übernehmen. Außerdem besteht die Möglichkeit durch den Aufbau und die Verstetigung einer kommunalen Pflegeberichterstattung (§ 3 NPflegeG) eine solide Planungsgrundlage zu schaffen. Darauf aufbauend lassen sich dann zum Beispiel gemeinschaftlich mit den handelnden Akteur*innen vor Ort Visionen, Leit- und Handlungsziele für die Weiterentwicklung lokaler Pflegelandschaften entwickeln, bestehende Angebote durch gezielte Koordination und Kooperation bündeln beziehungswiese bedarfsgerecht neue konzipieren. Auch können aktuelle und drängende Pflegethemen und Aufgaben, wie der Pflegekräftemangel oder die regionale Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung, zielführender aufgegriffen sowie grundlegend und umfassend effektiver in vernetzten Strukturen und mit neutraler Moderation bewältigt werden.

 

Unterstützung durch das Projekt „Komm.Care“

Das Land Niedersachsen verfolgt die Zielsetzung, Kommunen bei der Wahrnehmung dieser planenden, steuernden und vernetzenden Aufgaben zu unterstützen. Außerdem soll eine verbesserte Verzahnung von kommunaler und Landesebene in Pflegefragen erreicht werden, um Rahmenbedingungen für einen Ausbau und eine Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung perspektivisch zielgerichteter gestalten zu können. Hierzu wurde das Projekt Komm.Care ins Leben gerufen, das durch die LVG & AFS umgesetzt und durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gefördert wird (Laufzeit: 1.2.2019 – 31.1.2022).

Im Rahmen eines Ergänzungsmoduls „Regionaler Strukturaufbau zur Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung in Niedersachsen“ (Laufzeit: 1.6.2019 – 31.7.2020) werden zusätzlich regionale Informations- und Reflexionsveranstaltungen und Beratung angeboten.

Das Projekt verfolgt folgende Ziele:

  • mit den niedersächsischen Kommunen ins Gespräch zu kommen, wie gegenwärtig pflegebezogene Planungs-, Steuerungs- und Koordinierungsaufgaben wahrgenommen werden und welche Unterstützung hierbei benötigt wird,
  • umsetzungsorientierte Handlungshilfen, Beratungs- und Fortbildungsangebote zu entwickeln, um zum Beispiel die Erstellung von örtlichen Pflegeberichten, die Durchführung von Pflegekonferenzen und die Anpassung der Pflegeinfrastruktur an bestehende Bedarfe voranzutreiben,
  • pragmatische und zielführende Strategien unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den Kommunen zu erarbeiten,
  • örtliche Pflegeberichte stärker zu vereinheitlichen, sowie Mindestinhalte festzulegen, damit hieraus auch Schlüsse für den Landespflegebericht und die Pflegepolitik auf Landesebene gezogen und integrierte Handlungsstrategien entwickelt werden können,
  • eine Vernetzung und einen Erfahrungsaustausch der Kommunen untereinander und der Kommunen mit dem Land Niedersachsen zu initiieren (z. B. im Rahmen jährlich stattfindender Pflegekonferenzen)
  • Entwicklung eines Informations-, Beratungs- und Moderationsangebots zur Unterstützung der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung
  • Initiierung von Kooperationsideen zur regionalen Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung

Es handelt sich um ein freiwilliges Angebot, das sich an Landkreise und kreisfreie Städte richtet. Interessierte Kommunen können Kontakt mit den zuständigen Fachreferentinnen aufnehmen. Es werden Beratungen zu einzelnen Fragestellungen und Informationsgespräche über ein mögliches Vorgehen sowie ein Gesamtanalyse- und Maßnahmenprozess angeboten.

 

Ansprechpartnerinnen

Landesvereinigung für Gesundheit & Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.
Fenskeweg 2
30165 Hannover

Birgit Wolff
Dr. Maren Preuß
Martina Kipp