Männer als Zielgruppen und Akteure in der gesundheitlichen Versorgung

Männer im jüngeren und mittleren Lebensalter sind in Einrichtungen des Gesundheitswesens seltener anzutreffen als Frauen. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass sie seltener vom Gesundheitswesen als Zielgruppe adressiert werden als (im gebärfähigen Alter verortete, potenziell schwangere) Frauen. Während Frauen unter Umständen bereits ab der Pubertät durchgehende Begleitung durch Fachkräfte des Gesundheitswesens erfahren (Verordnung der Pille, ab dem 20. Lebensjahr angebotene Früherkennungsuntersuchungen, Ansprache als Mutter und „Gesundheitspolizei des Mannes bzw. der Familie“), ist für Männer nach Absolvierung ihrer letzten U-Untersuchung kein regulärer Kontakt bis zum 35. Lebensjahr (Beginn von „Check Up“-Angeboten) vorgesehen. Zum anderen stellen tradierte Körper- und Gesundheitsverständnisse für viele Männer eine Barriere dafür dar, sich präventiv oder mit manifestierten Beschwerden an das Gesundheitswesen zu wenden. Kurzum: Man(n) möchte sich nicht gern zum Objekt eines (zunehmend feminisierten, gleichwohl oft noch paternalistisch inspirierten) Gesundheitssystems machen lassen. Gleichwohl greift das wohlfeile Urteil des Mannes als „Gesundheitsmuffel“ zu kurz, da sich sowohl das Hilfesuchverhalten als auch die Compliance zwischen verschiedenen Männergruppen erheblich unterscheiden, was auf weitere Einflussfaktoren jenseits des Geschlechts schließen lässt.

Die Fachtagung soll einen Beitrag dazu leisten, hemmende und fördernde Faktoren einer höheren Gesundheitskompetenz von Männern zu explorieren und dabei insbesondere auf Fragen adäquater Kommunikations- und Therapiekonzepte für Männer
in Praxis und Krankenhaus einzugehen. Facetten sind dabei die geschlechtergerechte Weiterentwicklung von Goldstandards und Leitlinien, Implementierung von Erkenntnissen der Gender Medizin in die Regelversorgung und Health Literacy männlicher Patienten (und ihr Zusammenhang mit Compliance und Adherence). Wir laden Sie herzlich ein, sich daran zu beteiligen.

Veranstaltungsflyer >>


Programm
 

09:30 Uhr | Anmeldung, Begrüßungskaffee

10:00 Uhr | Eröffnung und Grußwort
Dr. Andreas Schoppa, Bundesministerium für Gesundheit

10:15 Uhr | Wie gehen Männer mit Gesundheit um? Gesundheitsverständnis und Gesundheitshandeln | Vortrag
Prof. Dr. Toni Faltermaier, Europa-Universität Flensburg

11:00 Uhr | Kaffeepause

11:15 Uhr | Gesundheitsexperte Mann – Wunsch, Wirklichkeit oder etwas dazwischen?
Stefan Beier, Agentur für Männer eG, Berlin

12:00 Uhr | Moderne Medizin – für „Sie und Ihn, für Jung und Alt“: Chancen und Herausforderungen für das Gesundheitswesen der Zukunft | Zusammenfassung
Annegret Hofmann, gendermed.info, Netzwerk Gendermedizin & Öffentlichkeit

12:30 Uhr | Mittagsimbiss

13:30 Uhr | Geschlechtergerechte Medizin – auch ein Männerthema?
Prof. Dr. Sabine Oertelt-Prigione, PhD, Radboud University Medical Center, Nijmegen

14:15 Uhr | Männer als Ziel- und Akteursgruppe im Gesundheitssystem: Facetten von Qualität und Effektivität in der Versorgung

Statements aus Sicht der Versorgung(splanung) sowie der Berufs- und Gesundheitspolitik

Gendermedizin als Chance und Herausforderung für die hausärztliche Versorgung | Statement
Prof. Dr. Ulrich Schwantes, Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB)

Prävention und Rehabilitation für und mit Männern
Dr. Peter Kupatz, Bad Doberan, Arbeitskreis Gender und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern

Ambulante psychotherapeutische Versorgungsangebote (speziell) für Männer
Johannes Vennen, Psychologischer Psychotherapeut, Rendsburg/Kiel

Handlungsfelder und Herausforderungen aus Sicht der Ärztekammer Niedersachsen
Dr. Wolfgang Lensing, Ärztekammer Niedersachsen

Handlungsfelder und Herausforderungen aus Sicht der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen
Götz Schwope, Psychotherapeutenkammer Niedersachsen

Handlungsfelder und Herausforderungen aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen
Dr. Jörg Berling, Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen

15:00 Uhr | Kaffeepause

15:15 Uhr | Synopse der Statements, Ausblick, Verabredungen

16:00 Uhr | Veranstaltungsende


Moderation:
Thomas Altgeld, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.