Veranstaltungsreihe Argumente für Gesundheit 2017

Viele Menschen wünschen sich, selbstbestimmt Entscheidungen über ihre Gesundheit treffen zu können. Wie können Sie die richtigen Ansprechpartner*innen im Gesundheitssystem finden, wie die für Sie relevanten Antworten in einem Arztgespräch erhalten und wie die Empfehlungen vom medizinischen Personal einschätzen und umsetzen? Um sich im komplexen Gesundheitssystem als Patient*in zurechtzufinden, bedarf es der Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, beurteilen und für die eigene Gesundheit im täglichen Leben anwenden zu können. Gesundheitskompetenz kann gesundheitliche Chancengleichheit, die Gesundheit und das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Um die Gesundheitskompetenz von Menschen zu verbessern, sind zielgruppenspezifische Bedarfe, Bedürfnisse und Vorstellungen sowie passgenaue Zugänge zu Gesundheitsinformationen zu berücksichtigen. Um Patient*innen in dieser Fähigkeit zu unterstützen, bedarf es auch auf Seiten der Gesundheitsberufe und -einrichtungen der Bereitschaft und Offenheit, Patient*innen als selbstbestimmt wahrzunehmen, zu fördern und einfache verständliche Informationen zu vermitteln.

Insbesondere vor dem Hintergrund der vielen Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, die einen anderen Umgang mit Gesundheitsfragen haben und sich nicht in unserem Gesundheitssystem auskennen, ist eine kultursensible Medizin wichtig.

Ebenso unterscheiden sich Frauen und Männer im Umgang mit Gesundheit und Krankheit und Gesundheitsinformationen. Auch hier sind die individuellen Bedarfe und Bedürfnisse im Verhalten und in der Ansprache und Vermittlung von Gesundheitsinformationen zu berücksichtigen.

Wir möchten mit dieser Veranstaltungsreihe für das Thema sensibilisieren und gemeinsam mit Ihnen diskutieren, wie ausgewählte Personengruppen in der Gesundheitsversorgung besser erreicht werden können und wie deren Gesundheitskompetenz verbessert werden könnte. Es stellt sich die Frage, wo Hürden im Gesundheitssystem liegen und wie diese überwunden werden können. Welche kultur-, geschlechts- und sprachsensiblen Faktoren verhelfen uns zu selbstbestimmten Patient*innen, die sich emanzipiert durch das Gesundheitssystem bewegen können?

Menschen treffen tagtäglich gesundheitsrelevante Entscheidungen. Eine ausgeprägte Gesundheitskompetenz kann dazu beitragen, die Entscheidungen so zu treffen, dass sie die eigene Gesundheit fördern und Krankheit vorbeugen. Knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat Schwierigkeiten im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen.

Insbesondere chronisch Kranke, ältere Menschen, Menschen mit geringer Bildung, Menschen mit Lese- und Schreibschwäche und Menschen mit Migrationshintergrund sind davon betroffen. Es wird vermutet, dass eine unzureichende Gesundheitskompetenz mit einem schlechteren Gesundheitszustand, einem ungesünderen Gesundheitsverhalten und einem erhöhten Sterberisiko einhergehen. Bis 2018 soll nun ein nationaler Aktionsplan zur Förderung der Gesundheitskompetenz erarbeitet werden. Wir möchten gemeinsam mit Ihnen diskutieren, welche Schritte notwendig sind, um Menschen darin zu befähigen, sich selbstbestimmt im Gesundheitssystem bewegen zu können. Wie können sie die eigenen gesundheitsrelevanten Entscheidungen so treffen, dass sie sich positiv auf die Gesundheit auswirken?

Veranstaltungsflyer >>

27. Oktober 2017 | Selbstbestimmte Patient*innen – Anspruch oder Wirklichkeit

Programm

10:30 Uhr | Anmeldung und Begrüßungskaffee

11:00 Uhr | Begrüßung

11:15 Uhr | Statement Dr. Peter Wüst, Landespatientenschutzbeauftragter

11:30 Uhr | Statement Dr. Gabriele Seidel, Patientenuniversität der Medizinischen Hochschule Hannover

11:45 Uhr | Statement Thomas Nebling, Techniker Krankenkasse

12:00 Uhr | Diskussion mit den Referierenden unter Einbezug des Publikums

13:00 Uhr | Ende der Veranstaltung

Moderation
Thomas Altgeld, LVG & AfS Nds. e. V.

 

17. November 2017 | Kultursensible Medizin

In Deutschland leben derzeit mehr als 18 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Bei der Begleitung von Menschen aus anderen Kulturen in unserem Land werden wir auf faszinierende Art und Weise bereichert. Wir gewinnen einen veränderten Blick auf das Eigene und das Fremde. Die Beunruhigung durch Fremde unter uns kann auch intrapsychisch als die Beunruhigung durch das Fremde in uns aufbrechen. Hier gilt es Annäherung und Verstehen zu initiieren und Fremdes in und um uns zu respektieren und kennenzulernen – diese Forderung gilt auch für unser Gesundheitssystem. Zahlreiche system- und personenbezogene Barrieren können wir beim Thema Gesundheit zurzeit noch identifizieren, die der selbstbestimmten Navigation von Migrant*innen in unserem sektorisierten Gesundheitssystem im Wege stehen. Sprachliche, religiös-kulturelle, milieubedingte Barrieren und Diskriminierung im Umgang mit Krankheit wollen erkannt und überwunden werden. Das erhöhte Risiko für psychische Erkrankungen und Traumatisierungen bei Flüchtlingen spielt eine wichtige Rolle. Der bedarfsgerechte Reha-Zugang und die vollschichtige Integration in das Erwerbsleben müssen erleichtert werden. Wir möchten mit Ihnen gemeinsam fruchtbare Lösungsansätze zum sensiblen Umgang mit den Kultur- und Migrationskonflikten und der Überwindung von Barrieren erarbeiten.

Programm

10:30 Uhr | Anmeldung und Begrüßungskaffee

11:00 Uhr | Begrüßung

11:15 Uhr | Statement PD Dr. med. Meryam Schouler-Ocak, Psychiatrische Universitätsklinik der Charité

11:30 Uhr | Statement Dr. disc. pol./Dipl. Psych. Ibrahim Özkan, Asklepios Fachklinikum Göttingen

11:45 Uhr | Statement Runak Sabbar-Letaief, Gründerin und Redaktionsleiterin Basar Zeitung

12:00 Uhr | Statement Dipl. Sozialwiss. Ramazan Salman, Ethnomedizinisches Zentrum Hannover

12:15 Uhr | Diskussion mit den Referierenden unter Einbezug des Publikums

13:00 Uhr | Ende der Veranstaltung

Moderation
Marcus Wächter-Raquet, LVG & AfS Nds. e. V.

 

30. November 2017 | Genderspezifische Gesundheitsinformationen und -ansprache

Frauen und Männer unterscheiden sich in ihrem Gesundheitszustand und ihrem Gesundheitsverhalten. Sie zeigen bei ein- und demselben Leiden unterschiedliche Krankheitssymptome und gehen unterschiedlich mit Gesundheit und Krankheit um. Außerdem nutzen Sie unterschiedliche Kommunikationswege, um sich über gesundheitsrelevante Fragen zu informieren. Das Themenfeld Gendermedizin, in dem bereits seit vielen Jahren in den USA geforscht wird, etabliert sich auch bei uns zusehends. Allmählich leistet dieses Forschungsfeld in Deutschland wichtige Beiträge zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Doch es muss noch viel getan werden, besonders auch im Bereich der Ausbildung von Fachpersonal und allgemein auf dem Feld der gesellschaftlichen Gesundheitsbildung. Wir möchten mit Ihnen gemeinsam diskutieren, auf welchen Wegen genderspezifische Aspekte in der Gesundheitsversorgung sowie in der Gesundheitsinformation und -ansprache umgesetzt werden können..


Programm

16:30 Uhr | Anmeldung und Begrüßungskaffee

17:00 Uhr | Begrüßung

17:15 Uhr | Statement Dr. Ute Seeland, Institut für Geschlechterforschung in der Medizin, Charité-Universtitätsklinikum Berlin

17:30 Uhr | Statement Dr. Doreen Reifegerste, Hanover Center for Health Communication und Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover

17:45 Uhr | Statement Sascha Angermann, LVG & AfS Nds. e. V.

18:00 Uhr | Diskussion mit den Referierenden unter Einbezug des Publikums

19:00 Uhr | Ende der Veranstaltung

Moderation
Thomas Altgeld, LVG & AfS Nds. e. V.