Gesundheitsrelevante Richtungsentscheidungen im Spannungsverhältnis von Humanität und Effizienz

Vom  Fortschritt erwarten wir, dass vieles einfacher, schneller und besser wird. Und in der Tat, er vereinfacht in all seinen Facetten unser Leben in vielerlei Hinsicht. So führt der medizinisch-technische Fortschritt nicht nur zu mehr Medikamenten, Operationen und anderen Therapieformen, er trägt auch zur steigenden Lebenserwartung der Menschen bei.

Doch ist jede medizinische Innovation für die erkrankten Menschen auch tatsächlich nützlich? Was sind die Nebenwirkungen für den Einzelnen und für die Gesellschaft? Um den ständig steigenden Kosten der medizinischen Versorgung zu begegnen, wird die Ökonomisierung im Gesundheitswesen vorangetrieben. Der Druck zur Kosteneinsparung ist groß, zur Zielerreichung und Erfolgsprüfung werden messbare Kennzahlen eingesetzt.

Der technische Fortschritt ermöglicht die massenhafte Speicherung von Patientendaten, aber nur nach Zahlen lässt sich ein kranker Mensch nicht verstehen. Der Datenschutz soll eine Sicherung vor Missbrauch sein, aber er kann auch die Klärung von Begutachtungsfragen zur weiteren Versorgung behindern, die diese Daten benötigt. Wer nur auf die Technisierung der Medizin setzt, ignoriert die zwischenmenschliche Arzt-Patient-Beziehung als zentrales Element der Behandlung von Krankheiten.

Gilt für den Fortschritt in einer Gesellschaft, dass „immer mehr“ auch gleich „immer besser“ ist? Oder gibt es Grenzen, an denen der Fortschritt für die Gesellschaft einen Rückschritt bedeuten kann? Könnte ein „weniger“ auch einmal ein „mehr“ sein? Wie sieht das insbesondere für den medizinisch-technischen Fortschritt aus? Welche Chancen bietet er für unsere Gesundheit, und welche Risiken bringt er mit sich? Was bewirkt der Fortschritt im Spannungsverhältnis von Effizienz und Humanität im Gesundheitswesen? Wie können wir anstelle eines einseitig quantitativen Wachstums einen qualitativen Fortschritt mit besserer Lebensqualität und Nachhaltigkeit des Wirtschaftens erreichen?

Diese und weitere Fragen wollen wir aus unterschiedlichen Perspektiven anhand ausgewählter Themen kritisch diskutieren. Sie sind herzlich eingeladen, an den Nachmittagsveranstaltungen teilzunehmen und sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen. Wir sind gespannt auf Ihre Meinung und freuen uns auf eine interessante Veranstaltungsreihe mit Ihnen.

Veranstaltungsflyer >>

Programm


23. Juni

Beschwerdeobjektivierung am Beispiel des Schmerzes

16:30 | Anmeldung und Begrüßungskaffee
17:00 | Begrüßung
17:15 | Prof. Dr. Markus Bassler, Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover Rehazentrum Oberharz und Rehazentrum Bad Pyrmont I Vortrag
18:00 | Diskussion mit Prof. Dr. Matthias Karst, Medizinische Hochschule Hannover und M.Sc. Naina Lid, Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover
19:00 | Ende der Veranstaltung

Moderation
Dr. Petra Kloth, Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover

Wir alle kennen Schmerz aus eigenem Erleben. Chronische Schmerzen sind häufig und können lebensbegleitend sein. 59% der Schmerzpatientinnen und -patienten erhalten auch eine psychiatrische Diagnose. Welche Wechselwirkungen zwischen Schmerz, Emotionalität und Kognition gibt es? Mit welchen (neuro-)psychologischen Methoden lässt sich Schmerz messen? Lässt sich das Leid des Menschen in Zahlen ausdrücken, oder sind noch andere Gesichtspunkte wesentlich? Das sozialmedizinische Dilemma im Spannungsfeld zwischen individuellem Leid und den Interessen der Solidargemeinschaft soll beleuchtet werden, um zu einer angemessenen Konfliktlösung zu kommen.