Fachlich-ethische Grundwerte als Orientierungshilfen im Arbeitsalltag

1991 hat die World Federation for Mental Health den 10. Oktober zum internationalen Aktionstag für seelische Gesundheit erklärt. Zur Koordination entsprechender Aktivitäten in Deutschland wurde 2007 das Aktionsbündnis für seelische Gesundheit gegründet. Seit 2008 finden auch in Niedersachsen, abwechselnd in verschiedenen Kommunen, Aktionstage statt, zusammen mit dem jeweiligen Sozialpsychiatrischen Verbund vor Ort. Kooperationspartner in diesem Jahr ist der Sozialpsychiatrische Verbund Hildesheim. Auf der Fachtagung wollen wir die Frage diskutieren, wie sich eine gemeinsame Grundhaltung zu den ethischen und fachlichen Herausforderungen unserer Arbeit bewährt, wenn wir im Alltag an die Grenzen unserer Möglichkeiten kommen.

Die Psychiatrie soll Hilfe zur Selbsthilfe leisten und auch bei besonders schweren psychischen Beeinträchtigungen in jeder Situation die Freiheit und Würde der betroffenen Menschen schützen. Die Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten sowie ihre volle gesellschaftliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind übergreifende Ziele psychiatrischer Arbeit. Gerade wenn die Selbstkontrolle und Eigenverantwortung der Betroffenen und die Verständigungsmöglichkeit mit ihnen nicht mehr gelingt, steht die Psychiatrie, deren gesellschaftlicher Auftrag Hilfs-, Schutz- und Kontrollfunktionen umfasst, vor ihrer Bewährungsprobe. Um dem hohen fachlich-ethischen Anspruch gerecht zu werden, muss in jedem Einzelfall das richtige Verhältnis von Autonomie und Fürsorge herausgefunden werden.

Nach dem Grundsatzreferat, eines ausgewiesenen Experten zu diesem Thema wollen wir die Problematik in vier Arbeitsgruppen am Beispiel verschiedener Grenzsituationen vertiefen. Zusätzlich widmet sich ein Forum den belastenden Arbeitsbedingungen, die es vielen Fachleuten immer schwerer machen, den eigenen Ansprüchen im Alltag zu genügen. Zum Schluss werden die Diskussionsergebnisse in einer trialogisch besetzten Gesprächsrunde bewertet. Wir laden Sie herzlich ein, sich mit Ihren Erfahrungen und Ihren Fragen an der Debatte zu beteiligen!

Veranstaltungsflyer >>

Programm vom 05. - 08. Oktober >>

Programm

09:30 Uhr | Anmeldung und Begrüßungskaffee

10:00 Uhr | Eröffnung und Grußworte
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Reiner Wegner, Schirmherr, Landrat des Landkreises Hildesheim
Stephan Hartmann, BKK Landesverband Mitte

10:30 Uhr | Einführung in das Thema
Wolfram Beins, Landesfachbeirat Psychiatrie Niedersachsen

10:45 Uhr | Fachlich-ethische Grundwerte für die Psychiatrie
Prof. Dr. Michael von Cranach, München

11:15 Uhr | Vorstellung der Arbeitsgruppen und des Forums

12:00 Uhr | PARALLELE ANGEBOTE Teil 1 (Problembeschreibung)

AG 1
An den Grenzen der Möglichkeit von Vorbeugung: Missbrauch und Vernachlässigung von Kindern in ihrer Familie (begr. Teilnehmerzahl)
Moderation: Dr. Dieter Felbel, Ameos Klinikum Hildesheim
Input: Helga Willmann, Kinderschutz-Zentrum Hannover

AG 2
An den Grenzen der Selbstbestimmung: Autonomie und Zwang bei der stationären Behandlung gegen ihren Willen untergebrachter Patienten (begr. Teilnehmerzahl)
Moderation: Priv.-Doz. Dr. med. Marcel Sieberer, Ameos Klinikum Hildesheim
Input: Annette Loer, Amtsgericht Hannover

AG 3
An den Grenzen der Zusammenarbeit: Berücksichtigung des komplexen Hilfebedarfs wohnungs- und arbeitsloser psychisch schwer erkrankter Menschen mit Suchtmittelproblematik (begr. Teilnehmerzahl)
Moderation: Martin Pölckow, AWO Trialog, Soltau
Input: Daniela Faber, Herbergsverein Wohnen und Leben e. V., Lüneburg

AG 4
An den Grenzen der Verständigungsmöglichkeit: traumatisierte Flüchtlinge ohne deutsche Sprachkenntnisse (begr. Teilnehmerzahl)
Moderation: Anne Schwanstecher-Claßen, Sozialpsychiatrischer Dienst, Hildesheim
Input: Uwe Wedekind und Daoud Naso, Asyl e. V., Hildesheim, Karin Loos, Flüchtlinge in Niedersachsen e. V., Hannover

Forum
Über die Grenzen: Arbeitsbedingungen, Mobbing und Burnout bei psychiatrischem Fachpersonal (unbegrenzte Teilnehmerzahl)
Moderierte Diskussion im Teilnehmerkreis mit Expertenbeiträgen

13:00 Uhr | Mittagspause

14:00 Uhr | PARALLELE ANGEBOTE Teil 2 (Verbesserungsvorschläge)

15:00 Uhr | Kaffeepause

15:15 Uhr | Ergebnispräsentation aus den Arbeitsgruppen und dem Forum

15:50 Uhr | Bewertung der Tagungsergebnisse
Prof. Dr. Michael von Cranach
Marlis Wiedemann
Ingo Ulzhöfer

16:30 Uhr | Ende der Veranstaltung

Gesamtmoderation
Matthias Tietz, BKK Landesverband Mitte