Die Rolle der Sozialpsychiatrischen Dienste im Sozialraum

In der aktuellen sozialpolitischen Debatte um Inklusion, Selbstbefähigung und Rechtsstatus von Menschen mit Behinderungen gerät die Umsetzung dieser Paradigmen im Sozialraum zunehmend in den Blickpunkt. Inklusion kann nur vor Ort erfolgreich gelebt werden. Psychisch beeinträchtigte Menschen fordern die soziale Umgebung nicht selten in besonderer Weise. Sozialpsychiatrische Dienste (SpDi) sind mit ihren langjährigen praktischen Erfahrungen in den Lebensräumen der betroffenen Menschen Expertinnen und Experten für Möglichkeiten und Grenzen inklusiver Projekte.


Es stellt sich allerdings die Frage, ob und wie der SpDi seine Kernaufgaben im Sozialraum auch erfüllen kann: niederschwellige Beratung und Betreuung, Krisenintervention und (notfalls) Unterbringung, Planung und Koordination von Einzelfallhilfen, Netzwerkarbeit und regionale Steuerung, Fachaufsicht und Beschwerdemanagement. Viele Faktoren behindern immer wieder die Entwicklung guter Ideen und ihre Umsetzung. Dazu zählen sozialpolitische Rahmensetzungen und Sparzwänge, schwierige Zugangswege, knappe personelle Ressourcen und Fachkräftemangel, unkooperative Verwaltungs- und Hilfestrukturen.

Wir wollen diese Fragestellung sowohl mit Blick auf die betroffenen Menschen, ihre Angehörigen und ihre soziale Umgebung als auch in Bezug auf die angesprochenen Rahmenbedingungen diskutieren. Was bedeutet überhaupt Sozialraumorientierung? Wie weit kann die soziale Gemeinschaft mit abweichenden Verhaltensweisen strapaziert werden? Brauchen wir besondere Strukturen für besonders benachteiligte Menschen? Werden die Interessen von Menschen mit psychischen Erkrankungen in der aktuellen Diskussion genügend berücksichtigt und gewürdigt? Wie können SpDi den hohen Ansprüchen an ihre Arbeit gerecht werden? Ist die kommunale Daseinsvorsorge nur ein Popanz oder eine Verpflichtung, den psychisch erkrankten Menschen zu ihrem Recht auf ein Leben in der Gemeinschaft zu verhelfen?

Auch wenn wir nicht auf alle Fragen eine Antwort finden werden, wollen wir doch Orientierungshilfen geben und gemeinsam für den Alltag nützliche Lösungsvorschläge erarbeiten. Wir laden Sie ein, beim „Segel setzen 2014“ dabei zu sein und sich an der Diskussion mit Kolleginnen und Kollegen, auch aus anderen Berufsgruppen und Bundesländern, zu beteiligen.

Veranstaltungsflyer >>

Programm

Donnerstag, 20. März 2014

Moderation
Gabriele Sauermann, Der Paritätische Gesamtverband

09:00 Uhr | Registrierung und Begrüßungskaffee

10:00 Uhr | Veranstaltungseröffnung

10:30 Uhr | Sozialraumorientierung in der sozialen Arbeit
Prof. Dr. Wolfgang Hinte, Universität Duisburg-Essen

11:30 Uhr | Gegenwind für Sozialraumorientierung
Prof. Dr. Andreas Zick, Universität Bielefeld

12:30 Uhr | Mittagspause

14:00 - 17:00 parallele Workshops

Workshop 1
Inklusion – Bürgerhelfer befähigen

Moderation: Friedrich Walburg, Stuttgart
Input: Sylvia Schweizer, Stuttgart
N.N., Stuttgart

Workshop 2
Multiprofessionalität – Facharztmangel – Delegation

Moderation: Dr. Matthias Albers, Mettmann
Klaus-Michael Gatzemeier, Landkreis Hildesheim
Input: Klaus-Michael Gatzemeier, Landkreis Hildesheim
Birgit Hopp, Landkreis Hildesheim
Dr. Volker Heimeshoff, Wolfsburg

Workshop 3
Angehörigenarbeit im Sozialpsychiatrischen Dienst – Bestandsaufnahme und Perspektiven

Moderation: Eva Dorgeloh, Köln
Input: Ralf Bispinck, Dortmund

Workshop 4
Stärkung der Selbsthilfefreundlichkeit – ein Beitrag zur Entstigmatisierung?

Moderation: Dr. Detlev Gagel, Berlin
Input: N.N.

Workshop 5
Der SpDi als Fachdienst für Basishilfen im Sozialraum der Kommune

Moderation: Dr. Hermann Elgeti, Hannover
Input: Jörg Gapski, Hannover
Esther Rühl, Wiesbaden
Thomas Seyde, Leipzig

Workshop 6
Ganz normal..., vom Suchen und Finden nichtpsychiatrischer Hilfen

Moderation: Prof. Dr. Marc Ziegenbein, Hannover
Input: Wolfram Beins, Landkreis Celle
N.N., Hannover

Workshop 7
Sozialpsychiatrisches Arbeiten in ländlichen Regionen

Moderation: Constantin von Gatterburg, Heppenheim
Input: Franz Krätschmer, Neustadt an der Weinstraße
Katrin Heckmann, Pirmasens

Forum
Der Sozialraum ist überfordert – Gemeinwesenarbeit und regionale Versorgungsverpflichtung

Moderation und Input: Dr. Klaus Obert, Stuttgart
Ute Müller Ridinger, Stuttgart

Freitag, 21. März 2014

Moderation
Dr. Katharina Ratzke, Diakonie Deutschland

09:00 Uhr | Begrüßungskaffee

09:30 Uhr | World-Café

11:00 Uhr | Kaffeepause

11:30 Uhr | Zu Risiken und Nebenwirkungen der Sozialraumorientierung für die gemeindepsychiatrische Versorgung
Prof. Dr. Albrecht Rohrmann, Universität Siegen

12:15 Uhr | Tagungsbeobachtungen
Dagmar Barteld-Paczkowski, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e. V., Itzehoe
Renate Dille-Beyer, Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker, Bonn
Klaus Jansen, Kölner Verein für Reha e. V.

13:00 Uhr | Schlusswort und Veranstaltungsende
Prof. Dr. Marc Ziegenbein, Klinikum Region Hannover

Wissenschaftliche Leitung
Prof. Dr. Marc Ziegenbein, Klinikum Region Hannover