Argumente für Gesundheit – Gesundheit als Allzweckwaffe einer kriselnden Moderne?

In den letzten Jahrzehnten hat sich unsere Leistungsgesellschaft rasant verändert und die Krisen der modernen Zivilisation stehen uns unausweichlich vor Augen: Die Ökologie und das globalisierte kapitalistische Wirtschaftssystem kranken. Unsere traditionellen Glaubens- und Wertesysteme wandeln sich. Mit dem demografischen Wandel und der Ökonomisierung aller Lebensbereiche gehen neue Herausforderungen einher. Der technische Fortschritt stellt hohe Anforderungen an Kommunikationsbereitschaft und Flexibilität unserer Persönlichkeit. Angesichts des Tempos unseres Lebens müssen wir uns fragen: Sind wir dem ununterbrochen hohen Anpassungsdruck eigentlich noch gewachsen?


Als Allheilmittel gegen diesen Druck kommen verschiedene Rezepte zum Einsatz: Individuelle Gesundheit, Schönheit, Fitness, Abwertung von Alter, Tabuisierung von Sterben und Tod, verlängerte Jugend und ständige Arbeit an der Persönlichkeitsentwicklung. Viele Menschen unternehmen hier enorme Anstrengungen. Doch dient die Optimierung der eigenen Gesundheit tatsächlich dem individuellen Wohlbefinden? Setzen wir dabei nicht vielmehr eine scheinbare Allzweckwaffe ein, um persönliche Schwächen und soziale Mängel unseres Lebens in der kriselnden Moderne zu vertuschen und zu kompensieren, um dem Arbeitsmarkt möglichst lange gesund zur Verfügung stehen? Sind Leib und Seele in diesem Zusammenhang nur noch Werkzeuge effizienter Leistung? Welchen Wert hat es, gesund zu sein?

Wir laden Sie ein, sich in dieser Veranstaltungsreihe gemeinsam mit uns diesen Fragen zu stellen. Wir freuen uns auf interessante Vorträge und eine anregende Diskussion mit Ihnen.

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Programm

 05. Februar 
16:30 - 19:00 Uhr

Sehnsucht nach Gesundheit als Ersatz für verlorenen Glauben?

16:30 | Anmeldung und Begrüßungskaffee
17:00 | Begrüßung durch Kooperationspartner
17:10 | Dr. Matthias Lauterbach, Coaching, Consulting, Gesundheitscoaching, Hannover
17:40 | PD Dr. Oliver Decker, Universität Siegen
18:10 | Diskussion
19:00 | Ende der Veranstaltung

Moderation
Hans-Martin Heinemann, Stadtsuperintendent

Die zunehmende Attraktivität von Städtemarathons und Fitnessstudios sind nicht die einzigen Hinweise auf die Hingabe und Akribie, mit der sich viele Menschen den verschiedensten Gesundheitstechniken widmen. Haben wir es hier mit einer Art „Gesundheitsreligion“ zu tun, mit deren Hilfe die so engagierten Menschen versuchen, ihr religiöses Vakuum zu füllen? Oder gibt es andere Gründe für die starke Sehnsucht nach Gesundheit und Leistungsfähigkeit in unserer Gesellschaft?


 03. März 
16:30 - 19:00 Uhr
Gesunderhaltung zur Stärkung der Persönlichkeit?

16:30 | Anmeldung und Begrüßungskaffee
17:00 | Begrüßung durch Kooperationspartner
17:10 | Prof. Dr. Christine Morgenroth, Leibniz Universität Hannover | Vortrag
17:40 | Prof. Dr. Uwe Tegtbur, Medizinische Hochschule Hannover
18:10 | Diskussion
19:00 | Ende der Veranstaltung

Moderation
Hans-Martin Heinemann, Stadtsuperintendent

Wir wünschen uns eine stabile Persönlichkeit, aber die Wirklichkeit sieht oft anders aus beim Versuch, in Beruf, Familie und Freizeit gleichermaßen zu funktionieren. Psychische Erkrankungen gewinnen an Bedeutung, der Bedarf an professioneller Hilfe übersteigt das Angebot. Inwieweit stellt eine psychische Erkrankung unser Selbstbild infrage? Müssen wir hier mehr präventiv handeln? Was leisten Gesundheitsmaßnahmen wie Coaching oder Psychotherapie und welche Rolle spielt die Sportmedizin zur Stärkung der Persönlichkeit?


31. März 
16:30 - 19:00 Uhr
Gesundheitswahn gegen die Angst vor dem Altern?


16:30 | Anmeldung und Begrüßungskaffee
17:00 | Begrüßung durch Kooperationspartner
17:10 | Prof. Dr. Annelie Keil, Gesundheitswissenschaftlerin, Bremen
17:40 | Prof. Dr. Klaus Hager, Zentrum für Medizin im Alter, Hannover
18:10 | Diskussion
19:00 | Ende der Veranstaltung

Moderation
Hans-Martin Heinemann, Stadtsuperintendent

Das Altern wird häufig als ein von zunehmenden Defiziten geprägter Prozess wahrgenommen. Schönheitschirurgie, Anti-Aging oder die Forschungen der Biogerontologie erscheinen dabei als Bemühungen, dem Altern Widerstand zu leisten. Kann es wirklich darum gehen, dem Alter zu entkommen? Sollten nicht vielmehr Potenziale des Alterns aufgezeigt werden? Gibt es Wege, sich der Angst vor Sterben und Tod zu öffnen und sie in die Auseinandersetzung um die Gesundheit im Alter einzubinden?

28. April

16:30 - 19:00 Uhr
Gesund zum Wohle der Gesellschaft?


16:30 | Anmeldung und Begrüßungskaffee
17:00 | Begrüßung durch Kooperationspartner
17:10 | Dr. Uwe Gerecke, enercity, Hannover
17:40 | Prof. Dr. Dr. Thomas Gerlinger, Universität Bielefeld
18:10 | Diskussion
19:00 | Ende der Veranstaltung

Moderation
Thomas Altgeld, Geschäftsführer LVG&AFS Nds. e. V.

Wir leben in einer sich ständig verändernden Welt, die uns ein hohes Maß an Mobilität und Flexibilität abverlangt. Unser Wunsch nach Teilhabe und Leistungsfähigkeit verpflichtet uns mehr denn je, unser nicht selten erschöpftes Selbst zum Wohle aller gesund zu erhalten. Geht es dabei eigentlich noch in erster Linie um die eigene Gesundheit? Welche Rolle spielen hier die gesellschaftlichen Anforderungen, und sollten wir diese nicht kritisch hinterfragen und neu bewerten?